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TI stürzt ab, Umbau steht an

Gematik will die Telematikinfrastruktur neu aufbauen

Auf der Jubiläumstagung des Bundesverbands der Krankenhaus-IT-Leiter in Berlin hat die Gematik am 20. September 2026 den Zustand ihrer Infrastruktur beim Namen genannt: „Die TI stürzt unangenehm oft ab. Das macht uns überhaupt gar keinen Spaß“, sagte Geschäftsführer Dr. Florian Hartge. Der geplante Umbau zur TI 2.0 soll die 17 Schritte, die heute nötig sind, um ein E-Rezept einzustellen, auf drei oder vier reduzieren – und auf mittlere Frist Kartenlesegeräte und Einbox-Konnektoren überflüssig machen. heise online berichtet ausführlich von der Tagung.

Für eine Praxis mit zehn bis fünfzig Mitarbeitern ist das kein abstraktes Infrastrukturthema. Apotheken meldeten, dass sie einen ganzen Freitag lang keine Rezepte ausgeben konnten – bei laufenden Kosten und wartenden Patienten. Beim Vertrauensdienstanbieter D-Trust fielen die Institutionskarten (SMC-B) aus, und Apotheken konnten bundesweit E-Rezepte nicht einlösen; einen Grund für die Störung wurde nicht genannt. Die Gematik selbst zitiert aus einem internen Strategiepapier: 2025 war die Nutzung von TI-Anwendungen im Schnitt 25-mal pro Monat beeinträchtigt, 162 Störungen betrafen die ePA, 164 das E-Rezept. blogspan.net dokumentiert zusätzlich 67 automatisch erkannte Einschränkungen in nur 14 Tagen – die Hälfte davon nach knapp 20 Minuten erledigt, aber fünf über sechs Stunden, das längste rund 50 Stunden am Stück.

Warum die TI so anfällig ist – und was TI 2.0 konkret ändert

Die Architektur stammt aus den 2000er-Jahren: ein geschlossenes Netz, Konnektoren als VPN-Brücke, zertifizierte Kartenlesegeräte, kartenbasierte Identitäten. Um ein E-Rezept einzustellen, müssen 17 Schritte reibungslos laufen; um es einzulösen, sind es noch mehr. Fällt einer davon aus, gibt es kein Rezept. Hartge bezeichnete die Fehlerkurve nicht als linear, sondern „annähernd exponentiell“ – mehr Dienste, mehr Teilnehmer, mehr kritische Fehler. Für ein neues ePA-Release brauche man derzeit bis zu zwei Jahre.

Die TI 2.0 soll das ändern. Die ersten Dienste sind bereits in der Pilotierung: der Proof of Patient Presence (PoPP), der kryptografisch nachweist, dass sich ein Versicherter in einer Versorgungssituation befindet, sowie der VSDM-Dienst in der Ausbaustufe VSDM 2.0. Für die zentralen Zero-Trust-Komponenten hat die Gematik EY Consulting beauftragt. Die Umsetzung trägt den Namen ZETA (Zero Trust Access) und ist laut Hartges Folienset seit Sommer 2026 im Rollout. Das bedeutet konkret: PoPP und VSDM 2.0 werden nicht mehr im abgeschotteten TI-Netz erreichbar sein, sondern über das Internet – abgesichert durch Zero Trust statt durch das geschlossene Netz. Die vollständige Umstellung aller TI-Dienste ist bis 2029 vorgesehen, der Abbau der TI 1.0 mit Konnektoren, Kartenterminals und proprietärem VPN bis Ende 2030. Die Zahl der Backend-Produktinstanzen soll von 114 auf 31 sinken.

Was jetzt zu tun ist

  1. Die öffentliche TI-Status-Seite der Gematik im Blick behalten und dokumentieren, welche Dienste in der eigenen Praxis betroffen sind. Die Seite führt jede automatisch erkannte Einschränkung der letzten 14 Tage mit Zeitstempel – das ist die ehrlichste Grundlage für ein Gespräch mit dem KIS-Hersteller. blogspan.net hat die Verteilung der 67 Einträge im Detail aufgeschlüsselt.
  2. Klären, ob die Praxis noch über einen Einbox-Konnektor angebunden ist oder bereits auf das TI-Gateway migriert hat. Wer den Konnektor betreibt, muss vor der Einführung von HSM-B (digitale Institutionsidentität) und PoPP migrieren – das ist eine Voraussetzung, keine Option.
  3. Beim Hersteller der Praxis- oder Krankenhaussoftware nachfragen, ob und wann die TI-2.0-Anbindung (PoPP, VSDM 2.0, ZETA) verfügbar ist. Laut Hartge liegt die Anpassung primär bei den KIS-Herstellern; die Praxis selbst soll überschaubaren Aufwand haben. Aber: überschaubar heißt nicht null, und die Frage sollte jetzt gestellt werden, nicht erst 2028.

Das Ärgernis an der Sache: Man merkt die Störung erst, wenn der Patient vor einem sitzt und das E-Rezept nicht durchgeht. Wer jetzt prüft, ob die eigene Anbindung sauber läuft, hat damit schon die richtige Frage gestellt – und muss nicht erst nach dem nächsten 50-Stunden-Ausfall reagieren. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr TI-Anschluss, Ihr Konnektor oder Ihre KIS-Anbindung für die TI 2.0 bereit ist, schauen wir uns das gemeinsam an: Kontakt aufnehmen.

Beitragsbild: https://kaboompics.com/ auf Pexels

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